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RheinMainCard

Auf den Spuren der (Leder-)Tasche in Offenbach

Deutsches Ledermuseum Aussenansicht

Das DLM ist das weltweit einzige Museum, das ausschließlich alles rund um den Werkstoff Leder sammelt und präsentiert.
(© DLM)

Es gibt sie aus Materialien wie Krokodil-, Schlangen-, Echsen-, Straußen- oder Büffelleder und sie dient seit jeher der Aufbewahrung von persönlichen Gegenständen, manchmal auch der Selbstdarstellung. Zuerst getragen von Männern, erfährt sie - bedingt durch Veränderungen in der Mode - eine fortwährende Weiterentwicklung.

Die Rede ist von der (ledernen) Tasche, die heute - nicht nur für die Frau - mit zum wichtigsten Begleiter im Alltag zählt. Erst das richtige Exemplar rundet den individuellen Lifestyle ab. Welche Tasche zu welchem Zeitpunkt angesagt war, erfahren wir bei einer Führung von der Museumsdirektorin Dr. Inez Florschütz im Deutschen Ledermuseum (DLM) in Offenbach, an jenem Ort, an dem einst die Lederindustrie boomte.

Mit der RheinMainCard können Besucher auf ihrer Entdeckungstour durch die Welt der Taschen sparen. Denn im Deutschen Ledermuseum gibt es mit der RheinMainCard eine Ermäßigung von 50% auf den Eintrittspreis.

Neue Ausstellungsreihe: Im Fokus

Der Ausstellungsraum, in dem die Reihe IM FOKUS: TASCHEN – FUNKTIONAL, SCHMÜCKEND, MODISCH noch bis Februar 2019 präsentiert wird, befindet sich im 2. Obergeschoss, im ältesten Trakt des Gebäudes, das barrierefrei mit einem Aufzug erreichbar ist. Im Gegensatz zu einigen anderen Ausstellungsräumen mutet dieser Raum zeitgemäß und modern an: Der alte Teppichboden ist entfernt, die untere Hälfte der Wände leuchtet in einem kräftigen Fuchsia, Vitrinen und Schaukästen sind mit hellem LED-Licht ausgestattet. Auffällig ist, dass es keine direkten Objektbeschreibungen gibt: "Es ist unser Wunsch, den Besuchern erstmal die Chance zu geben, das Objekt an sich zu erfassen. Erst in zweiter Linie wollen wir Informationen geben, dazu gibt es den Ausstellungsbegleiter, der für jeden vor der Ausstellung kostenlos zur Verfügung steht", so Inez Florschütz.

In insgesamt sechs Wandvitrinen und vier Einzelvitrinen, die wie Schlaglichter im Raum verteilt stehen, werden verschiedene Taschen-Modelle anschaulich präsentiert. Etliche Monate hat es gedauert, die rund 40 Taschen auszuwählen, die nun ausgestellt sind. "Wir haben sie thematisch zusammengestellt, die Ausstellung verfolgt keine strenge Chronologie, es geht um einzelne Themen und Typen und Funktionen zum Thema Taschen", erläutert Inez Florschütz bei der Führung, die mit dem Typus Beutel-, Gürtel- und Gewandtaschen beginnt.

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen – funktional, schmückend, modisch.

Drei der vier Einzelvitrinen, die im Ausstellungsraum verteilt stehen.
(© DLM / Laura Brichta)

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen – funktional, schmückend, modisch.

Für das Design des aus Leder bestehenden Shoppers stand eine klassische Papiertragetasche Modell.
(© DLM / Laura Brichta)

Beutel-, Gürtel- und Gewandtaschen

Die Museumsdirektorin erzählt, dass Taschen zunächst nur von Männern als reine Tragebehältnisse verwendet wurden, denn Hosen- oder Jackentaschen existierten im Mittelalter noch nicht. Erst Ende des 16. bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts, als Innentaschen in Kleidung genäht wurden, wandelte sich die Funktion der Tasche allmählich in ein typisch weibliches Accessoire. Da die sehr eng anliegenden Kleider des Empire-Stils um 1800 keine eingenähten Taschen erlaubten, wurden kleine, bestickte und um das Handgelenk gebundene Beutel immer beliebter, die als Vorläufer der heutigen Handtasche gelten können.

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen – funktional, schmückend, modisch.

Von links: Gürteltasche aus saphirblauem Straußenleder der Firma Comtesse (1980er Jahre). Daneben: Gürteltasche, die mit einem langen Riemen am Gürtel getragen wurde (16./17. Jahrhundert).
(© DLM / Laura Brichta)

Beuteltasche, Europa, um 1905.

Beuteltasche, Europa, um 1905. Der kleine Beutel aus Seidengewirke weist Merkmale des Jugenstils auf. Solche zierlichen Beutel dienten den Damen als modische Ergänzung der Kleidung. Innen ist das Exemplar mit lilafarbener Seide ausgestattet.
(© DLM / Laura Brichta)

Ein beliebtes Taschenformat Anfang des 20. Jahrhunderts: die Unterarmtasche

Die nächste Vitrine, zu der die kleine Gruppe geführt wird, beschäftigt sich mit dem Typus der Unterarmtasche, auch Kuverttasche oder Clutch genannt. Dr. Florschütz erläutert, dass Designer sie heute als Abendtasche wiederentdeckt haben - ursprünglich kommt sie mit dem Auftreten eines glamourösen Modestils in den 1920er und 1930er Jahren auf. Zumeist aus Krokodil-, Schlangen- oder Echsenleder gefertigt, signalisierte dieser Typus Luxus und Extravaganz. Neben Taschen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schlägt die Ausstellung in dieser Vitrine einen Bogen in die Jetztzeit und präsentiert eine im Jahr 2017 durch das junge Designer-Label Tsatsas entworfene Tasche, das seine Entwürfe in Offenbach umsetzt.

Unterarmtasche, Deutschland, 1930er-Jahre

Unterarmtasche, Deutschland, 1930er-Jahre. Die Tasche stammt aus einer Zeit, in der Unterarmtaschen en vogue und bei der gehobenen Damenwelt weit verbreitet waren.
(© DLM / Laura Brichta)

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen – funktional, schmückend, modisch.

Links: Unterarmtasche, Modell Tape XS, Tsatsas, Frankfurt/Offenbach am Main, 2017.
(© DLM / Laura Brichta)

Handtaschen: Sehnsucht nach Eleganz und Luxus

Die folgenden Schaukästen informieren anschaulich über den Typus Handtasche, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte. Zu dieser Entwicklung beigetragen hat vor allem die angestiegene Reisetätigkeit sowie die sich wandelnde Rolle der Frau, die mit zunehmender Selbstständigkeit größere Taschen als Trageutensil verlangte, erläutert Inez Florschütz. Wir erfahren außerdem von ihr, dass nach dem Zweiten Weltkrieg Modeunternehmen wie Christian Dior oder Jil Sander nach Offenbach gekommen waren, um sich hier Taschen bauen zu lassen. In den 50er und 60er Jahren wurde die Handtasche schließlich zum Objekt der Begierde, auf das teilweise lange gespart werden musste.

Überschlagtasche, Dior, Deutschland, 1950er-/1960er Jahre.

Überschlagtasche, Dior, Deutschland, 1950er-/1960er Jahre. Der französische Modemacher Christian Dior kreierte mit seinem New Look einen Stil, der auf das Bedürfnis vieler Frauen nach Eleganz und Luxus einging.
(© DLM / Laura Brichta)

Bügeltasche, Comtesse, Obertshausen, 1960er Jahre.

Bügeltasche, Comtesse, Obertshausen, 1960er Jahre. Die klassische Henkeltasche besticht durch das verwendete Glanzkrokodilleder, das bis in die 1960er-Jahre hinein als Statussymbol galt.
(© DLM / Laura Brichta)

Taschen für den Beruf ab Mitte des 19. Jahrhunderts

In der vorletzten Vitrine der Ausstellung zeigt uns Inez Florschütz verschiedene Berufstaschen, die zumeist ganz auf die Funktion zugeschnitten sind, etwa um Dokumente mitzuführen wie bei einer Aktentasche oder um auf bequeme Weise kassieren zu können, wie bei der ausgestellten Schaffnertasche. Interessant ist hier auch die Gegenüberstellung einer Arzttasche (Ende 19. Jh/ Anfang 20. Jh) und einer Tasche des Designers Braun Büffel aus dem Jahr 2016, die sich in ihrer Form stark ähneln.

Arzttasche, Österreich, Ende 19./ Anfang 20. Jahrhundert.

Arzttasche, Österreich, Ende 19./ Anfang 20. Jahrhundert. Diese Tasche diente für Hausbesuche, im Innern trägt sie ein Patent und ist mit der Aufschrift des Herstellers versehen.
(© DLM / Laura Brichta)

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen - funktional, schmückend, modisch.

V.l.n.r.: Businesstasche, Tote Bag Savon, Braun Büffel, Krin (2016). Arzttasche, Österreich (19./ 20. Jh.). Schaffnertasche, Deutschland (um 1940). Businesstasche, Picard Lederwaren, Obertshausen (2017).
(© DLM / Laura Brichta)

Taschen im Tagesablauf einer Frau

Zur Auswahl der Taschen in der letzten Vitrine erläutert Inez Florschütz: "Hier haben wir den möglichen Tagesablauf einer Frau mit ihrer Taschenwahl beschrieben." Vormittags kommt der sogenannten Shopper zum Einsatz. Das ausgestellte Modell ist von Jil Sander und wurde bei der Offenbacher Firma Goldpfeil produziert. Mit dabei hat die Dame von Welt ein Kosmetiktäschchen, wie jene, die bei der Offenbacher Firma Lederwaren Hammann produziert werden. "Das ist typisch für Offenbach, ganz versteckt im Hinterhof und die Produkte gehen weltweit in exklusive kleine Läden oder große Kaufhäuser wie KaDeWe in Berlin", klärt uns die Museumsdirektorin auf. Am Nachmittag geht frau bummeln, hier findet eine Schultertasche Verwendung, die verstärkt in den 70er Jahren aufkommt und auf Bewegungsfreiheit setzt. Am Abend trägt sie ein Modell, das die Abendtasche der 20er Jahre aufgreift und mit Perlen bestickt ist.

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen – funktional, schmückend, modisch.

Links: Drei Kosmetiktaschen, F. Hammann Lederwaren, Offenbach am Main, 2018. Rechts daneben: Shopper, Jil Sander, Deutschland, 1990er-Jahre.
(© DLM / Laura Brichta)

Shopper, Jil Sander, Deutschland, 1990er-Jahre.

Shopper, Jil Sander, Deutschland, 1990er-Jahre. Die Tasche besteht aus schwarzem Perlrochenleder, das ihr Exklusivität und Extravaganz verleiht.
(© DLM / Laura Brichta)

100 Jahre Deutsches Ledermuseum

Zum Abschluss nimmt uns Inez Florschütz noch mit zu einem kleinen Rundgang durch die Jubiläums-Ausstellung LEDER.WELT.GESCHICHTE. In drei, ebenfalls neu konzeptionierten, Räumen werden hier 130 Highlights aus der Sammlung gezeigt, darunter Objekte, die in Offenbach produziert wurden - von frühen Portefeuillewaren aus dem 18. Jahrhundert bis hin zu hochwertigen, handgefertigten Taschen von heute.

Mit der RheinMainCard unterwegs

Neben Taschen hat das Deutsche Ledermuseum natürlich noch viel mehr zu bieten: Objekte aus dem Bereich Angewandte Kunst, Ethnologie oder Deutsches Schuhmuseum - ein Besuch des DLM ist äußerst kurzweilig, es gibt jede Menge zu entdecken. Mit der RheinMainCard erhalten Besucher 50 Prozent Ermäßigung auf den Eintrittspreis. Und für alle, die noch mehr in Offenbach erkunden möchten, bietet die RheinMainCard auch einen Rabatt im Wetterpark sowie im Klingspor Museum.


Kontakt

Deutsches Ledermuseum
Frankfurter Straße 86
63067 Offenbach

Webseite: http://www.ledermuseum.de

Weitere Impressionen aus dem Deutschen Ledermuseum

Duftbeutel aus China und Beuteltasche im Jugendstil

Duftbeutel (links), China vermutlich 19. Jahrhundert (Qing-Dynastie) und Beuteltasche im Jugendstil (rechts), Europa um 1905.
(© DLM / Laura Brichta)

Boxförmige Handtasche und Bügeltasche.

Boxförmige Handtasche (links), England, um 1950 und Bügeltasche (rechts), Comtesse, Obertshausen, um 1960.
(© DLM / Laura Brichta)

Einkaufstasche und Link

Einkaufstasche (links), Deutschland, 1937 und Shopper (rechts), Deutschland, um 1990.
(© DLM, Laura Brichta)

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen – funktional, schmückend, modisch.

Ausstellungsansicht Im Fokus: Taschen – funktional, schmückend, modisch. Klassische Henkeltaschen in gleicher Ausführung mit unterschiedlichem Farbton.
(© DLM / Laura Brichta)

Ausstellung Leder Welt Geschichte

Ausstellung.LEDER.WELT.GESCHICHTE.
(© DLM / Jessica Schäfer)

Ausstellung Leder Welt Geschichte

Ausstellung LEDER.WELT.GESCHICHTE.
(© DLM / Jessica Schäfer)