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RMV-Pressemitteilung vom 07.08.2019

Odenwaldbahn fit für die Zukunft machen

Erfolgsgeschichte Odenwaldbahn / RMV und Odenwaldkreis halten Ausbau der Infrastruktur für unumgänglich 

Über 50 Prozent mehr Fahrgäste fahren mit der „neuen Odenwaldbahn“, seitdem im Jahr 2005 kürzere Fahrzeiten, moderne Fahrzeuge und deutlich mehr Fahrten eingeführt wurden. Gab es einst Diskussionen über die Einstellung der Strecke, sind die Züge heute im Berufsverkehr, aber auch abends und am Wochenende bestens nachgefragt. „Die hohe Fahrgastnachfrage auf der Odenwaldbahn ist grundsätzlich eine hervorragende Entwicklung, auf die wir alle stolz sein können. Sie bringt aber auch Herausforderungen mit sich“, so Frank Matiaske, RMV-Aufsichtsratsmitglied und Landrat des Odenwaldkreises. Über Möglichkeiten, mit denen kurz-, mittel- und langfristig Verbesserungen für die Odenwaldbahn erzielt werden können, besprachen sich daher kürzlich RMV-Geschäftsführer Prof. Ringat und Landrat Frank Matiaske.

RMV lotet Kapazitätserweiterungen aus

„2018 war ein Rekordjahr im RMV. Noch nie sind so viele Menschen Bus und Bahn gefahren. Für die Odenwaldbahn bedeutet dies, dass die Betreiberin der Linie Vias noch stärker gefragt ist, die notwendige Anzahl einsatzfähiger Fahrzeuge sicherzustellen“, so RMV-Chef Ringat. „Zudem werden wir im gesamten Bundesgebiet auf die Suche nach geeigneten Fahrzeugen für eine nochmalige Aufstockung der Flotte gehen und prüfen, ob Busse als Ergänzung im Berufsverkehr eine Lösung darstellen“, betont Prof. Ringat.

Erfolgsgeschichte Odenwaldbahn – Fahrzeugflotte mehrfach erweitert

Aktuell nutzen pro Tag rund 15.000 Fahrgäste die Odenwaldbahn. Die Fahrzeugflotte wurde seit 2005 bereits zwei Mal erweitert, zuletzt vor eineinhalb Jahren mit der Anschaffung von vier neuen Zügen. Im Berufsverkehr können seit 2018 durch die größere Fahrzeugflotte noch mehr Fahrten mit drei gekoppelten Triebwageneinheiten angeboten werden, die insgesamt 360 Plätze bieten. Bei planmäßigem Betrieb kommt es so zu keinen Platzengpässen. Auch im Freizeitverkehr am Wochenende wurde entsprechend der festgestellten Nachfrage immer wieder das Platzangebot erweitert. Nach einem Engpass, bei dem Besucherinnen und Besucher des Schlossgrabenfests und eines Konzerts in Frankfurt zeitgleich die nächtlichen Züge der Odenwaldbahn nachfragten, werden seit Frühsommer alle nächtlichen Fahrten mit Doppeltraktion, also zwei gekoppelten Triebwagen, angeboten.

RMV: Doppelstockzüge keine Lösung

Der in der öffentlichen Diskussion als Idee aufgekommene Einsatz von Doppelstockzügen ist aufgrund deren höheren Platzkapazität eine naheliegende Idee. Leider stellt sie aus Sicht des RMV jedoch keinen gangbaren Weg dar. Um mehr Kapazität zu bieten, müssten mindestens vier Doppelstockwagen plus Lok fahren. Lok und vier Wagen sind allerdings rund 127 Meter lang. An vielen Stationen im Odenwald, wie beispielsweise Michelstadt, Höchst oder Reinheim, sind die Bahnsteige aber nur 120 Meter lang. Spätestens wenn sich noch ein Signal an den Bahnsteig anschließt, vor dem der Zug mit Sicherheitsabstand zum Stehen kommen muss, passt ein Zug mit vier Doppelstockwagen also nicht zur gegebenen Infrastruktur. Zudem beschleunigt ein Zug mit Doppelstockwagen langsamer als die spurtstarken Itino-Fahrzeuge. In der Hauptverkehrszeit müsste daher die Anzahl der Fahrten gegenüber heute reduziert werden, da der heutige Fahrplan die bestehende Infrastruktur optimal nutzt. Unabhängig von diesen Erwägungen stehen keine freien Doppelstockwagen zur Verfügung, so dass der Einsatz von Doppelstockwagen aktuell keine Option darstellt.

Land Hessen muss zu Lösung beitragen

Die heutige Infrastruktur, darüber sind sich RMV und Odenwaldkreis einig, wird in Zukunft nicht ausreichen. Die Anzahl der Züge und Wagen pro Fahrt sei im Berufsverkehr sonst auf das heutige Fahrplanmodell limitiert. Aktuell untersuchen daher RMV und lokale Partner wie die Odenwald-Regional-Gesellschaft in einer Machbarkeitsstudie Möglichkeiten, die Kapazitäten der Odenwaldbahn zu erweitern. Es zeigt sich allerdings bereits schon jetzt, dass die bestehenden Förderkriterien nicht ausreichen, um eine Finanzierung der angedachten Maßnahmen sicherzustellen. Deswegen ist nach Ansicht des RMV und des Odenwaldkreises das Land Hessen gefordert, spezielle Lösungen auf den Weg zu bringen. Darüber wollen der RMV und die kommunalpolitisch Verantwortlichen mit der Landesregierung ins Gespräch kommen.

Hintergrundinformationen Odenwaldbahn

Zahlen und Fakten

 
  • Länge Odenwaldbahn: 210 Kilometer
  • Fünf Linien (80, 81, 82, 85, 86) plus Pfungstadtbahn (Linie 66).
  • Betreiberin: Vias mit Bestnoten bei Kundenbewertungen
  • 33 Schienenstationen
  • Anzahl Triebfahrzeuge:
    • 2005 – 2010: 22
    • 2010 – 2017: 26
    • seit 2018: 30
 

Verbesserungen Odenwaldbahn 2005

 
  • Erhöhung Streckenhöchstgeschwindigkeit von 90 auf 120 km/h
  • Neue, spurtstarke, zugleich aber leisere Fahrzeuge
  • Neubau Streckabschnitt in Darmstadt ermöglicht Direktfahrten aus Odenwald über Darmstadt nach Frankfurt
  • Neubau Station Darmstadt-Lichtwiese
  • Inbetriebnahme elektronisches Stellwerk
  • Modernisierung und barrierefreier Umbau von 18 Stationen
  • Stufenloser Ein- und Ausstieg an den Stationen im Odenwald
 

Wichtigsten Fahrplanverbesserungen

 
  • Zwei bis drei Mal so viele Direktfahrten zwischen Odenwald und Frankfurt.
  • Fahrzeit Erbach à Frankfurt 85 Minuten statt 97 Minuten
  • Fahrzeit Reinheim à Frankfurt 43 Minuten statt 61 Minuten
  • Nachtzüge seit Dezember 2017
 

 

Datum: 07. August 2019


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