RMV und DADINA prüfen Alternativen zur Reaktivierung der Gersprenztalbahn

Machbarkeitsstudie bescheinigt Reaktivierung der Gersprenztalbahn zu geringes Nutzen-Kosten-Verhältnis / Zahlreiche Verbesserungen im Busverkehr und bei der Odenwaldbahn geplant

Die Reaktivierung der Gersprenztalbahn ist wirtschaftlich nicht rentabel: Das ist das Ergebnis der Machbarkeitsstudie, die RMV und DADINA gemeinsam beauftragt haben. Rund 14 Millionen Euro würde die Reaktivierung der 3,1 Kilometer langen Strecke von Reinheim nach Groß-Bieberau kosten – und dabei nur rund 150 neue Fahrgäste am Tag bringen. Damit liegt das Ergebnis der sogenannten Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) bei einem Wert von 0,3. Um als förderfähige Investitionsmaßnahme eingestuft zu werden, wäre ein Wert von mehr als 1,0 notwendig.

Der geringe NKU-Wert liegt unter anderem auch an den geringen Fahrtzeitvorteilen, die eine Reaktivierung der Strecke mit sich brächte: Die Fahrzeuge der Gersprenztalbahn müssten in Reinheim an die Züge der Odenwaldbahn angehängt bzw. abgekoppelt werden, um eine Direktverbindung nach Frankfurt zu ermöglichen. Durch die notwendigen Richtungswechsel- und Kopplungszeiten wäre die Fahrt auf der reaktivierten Gersprenztalbahn nahezu genauso lang wie die Busfahrt mit dem Umstieg in Reinheim. Es bestehen bereits – parallel zur stillgelegten Bahnstrecke – ein halbstündliches Fahrtenangebot zwischen Groß-Bieberau und Reinheim mit Anschlüssen an die Odenwaldbahn sowie direkte Busverbindungen nach Darmstadt.

„Mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 0,3 hat die Machbarkeitsstudie ein  eindeutiges Ergebnis, was die Reaktivierung angeht. Wenn die Reaktivierung so wenige zusätzliche Fahrgäste bringt, heißt das aber auch, dass wir mit dem bestehenden Fahrtenangebot bereits sehr viel richtig machen. Doch darauf ruhen wir uns nicht aus. Für die Fahrgäste im Odenwald wird sich in den nächsten Jahren einiges verbessern“, erklären RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat und DADINA-Geschäftsführer Matthias Altenhein. „Dabei haben wir auch das Gersprenztal im Blick. Um Fahrgästen auch ohne Reaktivierung eine noch bessere Verbindung bieten zu können, prüfen wir die Möglichkeit, zusätzliche X-Bus-Fahrten nach Darmstadt einzuführen.“

Mehr Fahrten zum kommenden Fahrplanwechsel

Unabhängig von der Prüfung neuer X-Bus-Fahrten profitieren die Fahrgäste im Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie im vorderen Odenwaldkreis bereits ab dem kommenden Fahrplanwechsel von verschiedenen Angebotsausweitungen: Die RB75 fährt dann beispielsweise zwischen Darmstadt und Aschaffenburg montags bis freitags durchgängig im Halbstundentakt – das sind 9 zusätzliche Fahrten.

Auf der Odenwaldbahn wird es dann in den Hauptverkehrszeiten zwei zusätzliche Fahrten von bzw. nach Frankfurt geben. Abends wird täglich eine Spätverbindung von Erbach nach Darmstadt eingerichtet. Im lokalen Busverkehr gab es erst jüngst im April Verbesserungen: So werden zum Beispiel seitdem auf der Buslinie GB zwischen Groß-Bieberau und Darmstadt Gelenkbusse für mehr Kapazitäten eingesetzt.

Langfristige Perspektiven für den Nahverkehr auf der Odenwaldbahn

Der RMV will in den nächsten Jahren zusätzliche Fahrzeuge für die Odenwaldbahn beschaffen, um weitere Kapazitäten und Direktverbindungen nach Frankfurt zu ermöglichen.

Langfristig sollen mit Blick auf das Jahr 2030 die Stationen der Odenwaldbahn so ausgebaut werden, dass längere Züge mit mehr Kapazität eingesetzt werden können und auf den Abschnitten nach Darmstadt und Hanau halbstündliche sowie nach Eberbach stündliche Fahrten möglich werden.

 

Stand: 31.8.2020