Bus wird an einer Wasserstofftankstelle betankt

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Manager der Wasserstoffbusflotte

Sebastian Aring arbeitet auf dem Betriebsgelände der ESWE Verkehr in Wiesbaden. Dort werden insgesamt 320 Fahrzeuge, darunter auch über 100 Batterie- und 10 Brennstoffzellenbusse betankt, repariert und durch die Waschanlage gefahren. Sich selbst bezeichnet Aring humorvoll als "Mädchen für alles", denn er kümmert sich um zahlreiche Aufgabenbereiche. 

Neben der Betreuung der Wasserstofftankstelle (Koordination zwischen Werkstatt, Planung und Verkehrssteuerung) ist er auch Projektleiter für die Batterieladeinfrastruktur mit einem Last- und Lademanagementsystem. Zudem hat er den Umbau der Werkstatt für die neuen Technologien der Fahrzeuge geleitet, denn inzwischen befindet sich die Haupttechnik verteilt auf dem Busdach.

Wir haben Sebastian Aring zu seinem spannenden Berufsalltag befragt.

 

Welche Ausbildung haben Sie absolviert

2007 habe ich meine Ausbildung als Nutzfahrzeugmechatroniker bei der ESWE begonnen und anschließend meinen Meister in der Hauptwerkstatt gemacht. Seit dem Start des Projektes "Emissionsfreier ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr)" bin ich auch in der Projektsteuerung tätig. Heute studiere ich noch "nebenbei" Maschinenbau.

Warum haben Sie sich für diesen Job entschieden?

Der emissionsfreie öffentliche Personennahverkehr ist die Zukunft. Ich stehe selbst komplett hinter dem Gedanken der nachhaltigen Mobilität und habe mich deshalb für diese Tätigkeit entschieden. Ich bin stolz, ein Zukunftsprojekt vorantreiben zu dürfen. Diesel wird es zwar weiterhin geben, dennoch sind die Ressourcen irgendwann erschöpft. Dann muss nach klimafreundlichen Alternativen gesucht werden. Bisher ist noch unklar, ob Batteriebusse oder Brennstoffzellenbusse die bessere Alternative sind. 

Welche Eigenschaften muss man für Ihren Beruf mitbringen? 

Technisches Verständnis und Begeisterungsfähigkeit für eine zukunftsorientierte Technologie. 

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag aus?

Den gibt es nicht! Jeder Tag ist sehr abwechslungsreich, ich muss immer wieder auf wechselnde Situationen und Anforderungen reagieren. Wir arbeiten mit einer neuen Technologie, da sind wir in vielen Punkten Vorreiter. Deshalb müssen wir auch oft Lösungen für technische Probleme finden, die es vorher noch nicht gab.


Ein Wasserstoffbus wird vollgetankt

Um Wasserstoff zu tanken, wird die Zapfsäule zunächst mit einer Tankkarte freigegeben. Anschließend wird der Kilometerstand eingegeben und die Zapfkupplung auf dem Fahrzeugstutzen aufgesetzt.
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Tankanschluss eines Wasserstoffbusses

Wenn die Zapfkupplung am Fahrzeugstutzen fest verriegelt ist, kann die Betankung durch Knopfdruck gestartet werden. Nach circa 20 Minuten ist das Fahrzeug voll betankt.
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Was sind die größten Herausforderungen?

Die mögliche Fahrtdauer ist bei den Batterie- und Wasserstoffbussen im Gegensatz zu den Dieselfahrzeugen stark wetterabhängig. Im Sommer fahren die Batteriebusse bis zu 300 Kilometer, die Wasserstoffbusse circa 400 Kilometer und auch mehr. Bei Minustemperaturen sind es weniger. Daraus wird ein Mittelwert errechnet - bei Batteriebussen sind das circa 200 Kilometer Strecke. Für die Zukunft ist angedacht, die Fahrpläne für den Sommer- und Winterbetrieb anzupassen.

Auch die längeren Tankzeiten von circa 20 Minuten und der Druckausgleich der Tankstelle müssen berücksichtigt werden. Nach Vollbetankung von vier Fahrzeugen verlängern sich die Betankungszeiten, da der Verdichter erst wieder nachverdichten muss, um volle Kapazität zu erreichen.

Das hört sich nach viel Rechnerei an.

Ja, all diese Faktoren müssen bei den Umlaufzeiten der Fahrzeuge mit berücksichtigt werden. Dieselfahrzeuge fahren morgens weg und kommen abends in das Depot, um vollzutanken - das ist bei Batterie- und Wasserstoffbussen so nicht möglich. Dieser logistische Aufwand zählt mit zu meinen Aufgaben. Dafür bin ich auch im Kontakt mit der Leitstelle und zudem mit der Planung und der Werkstatt vernetzt. 


Ein Mann im Büro vor drei Computerbildschirmen.

Im Büro von Herrn Aring: Auf den Bildschirmen kann er zu jeder Zeit den Ladestand aller Busse im Umlauf einsehen.
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Busse an der Wasserstofftankstelle

Über 100 Batteriebusse und 10 Brennstoffzellenbusse werden auf dem Betriebsgelände von ESWE Verkehr in Wiesbaden betankt.
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Kilometerzähler eines Wasserstoffbusses

Nicht nur ein Kilometerzähler: Der aktuelle Ladestand und die Dauer des Ladevorgangs werden angezeigt. Zudem ist die automatische Vorkonditionierung (automatisches Kühlen und Heizen vor Abfahrt) aktiv.
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Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Wasserstoffbussen im Vergleich zu Elektrobussen?

Der Wasserstoffbus ist die Erweiterung von einem Elektrobus. Elektrobusse sind beide. Beim Wasserstoffbus sind die Batterien allerdings durch Gasflaschen ersetzt worden. Der Wasserstoff wird sozusagen zu Elektrizität aufgespalten. Aber die restliche Struktur und Technik sind die gleiche. 

Wie hat sich Ihr Berufsbild in den vergangenen Jahren verändert und wie sieht die Zukunft voraussichtlich aus?

Schon in der Ausbildung hat sich einiges getan. Seit 2017 ist zum Beispiel ein Teil der Hochvoltschulungen in den Ausbildungsplan bereits integriert. In Zukunft sollen mehr Mechaniker für die Reparatur der Fahrzeuge und deren Hochvolttechnik ausgebildet sein. Außerdem wird jeder Fahrer vor der Nutzung der neuen Busse und deren besonderen Antrieben geschult. 

Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Mehr Menschen würden Manager der Wasserstoffbusflotte werden wollen, wenn sie wüssten ...

... wie abwechslungsreich mein Berufsalltag ist.


Wasserstoff-Speichertank

Der "grüne" Wasserstoff wird im Energiepark Mainz mit Windenergie hergestellt. Der erzeugte Wasserstoff wird mittels eines Verdichters in Speichertanks hochverdichtet.
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Hydraulik

5-Stufiger-Ionischer-Kolbenverdicher: Die Fahrzeuge werden über Druckausgleich betankt.
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Technik auf dem Dach eines Wasserstoffbusses

Die gesamte Technik befindet sich bei Wasserstoffbussen auf dem Dach des Fahrzeuges.
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Weitere Informationen

Wasserstofftankstelle in Wiesbaden

Der Bau der Tankstelle wurde durch Fördermittel der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz ermöglicht. Die Beschaffung der Busse wird von Bund und EU gefördert.
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