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RMV aktuell

Autonomes Fahrzeug

Autonomes Fahrzeug "EASYMILE EZ10"
(© rms GmbH)

Probefahrt in die Zukunft

Es ist endlich soweit: Der öffentliche Testbetrieb der autonomen Fahrzeuge am Mainkai hat begonnen. Täglich von 13.00 Uhr bis 19.00 Uhr können Fahrgäste bis zum 31. Juli 2020 die futuristischen Gefährte am für den Autoverkehr gesperrten Mainkai ausprobieren. Die Busse bedienen auf einer Strecke von ca. 700 Metern drei eigens eingerichtete Haltestellen: Untermainbrücke, Eiserner Steg sowie Alte Brücke. Die Mitfahrt für alle Technikbegeisterten ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Video: EASYMILE EZ10 am Mainufer unterwegs

Am 9. September wurde das erste EASY-Shuttle ("Electric Autonomos Shuttle for You") an den Mainkai geliefert, das "Einmessen" konnte beginnen. Die Teststrecke ist zur Zeit für den Autoverkehr geperrt und steht nun den futuristischen Vehikeln zur Verfügung. Klaus Peter Düwel ist vor Ort – er wird das Fahrzeug als "Operator" während der Tests begleiten. Wir waren von Anfang an dabei und haben das Einmessen der Fahrzeuge und die Arbeit von Operator Klaus Peter Düwel begleitet.

VGF-Mitarbeiter Klaus Peter Düwel begleitet das Fahrzeug während der Tests

Klaus Peter Düwel ist Schulkontaktpfleger bei der VGF. In seiner Aufklärungsmission will er Schüler wachrütteln, Unfälle verhindern, den Straßenverkehr ein wenig sicherer machen. Früher arbeitete Düwel als Busfahrer, war anschließend auch als Schienenbahnfahrer unterwegs. Jetzt hilft er dabei, einen Trend der Zukunft weiterzuentwickeln und begleitet als Operator die ersten autonomen Fahrzeuge im Testbetrieb. Die Kleinbusse fahren voll elektrisch, leise und sehr sicher. Im Juni erwarb die RMV-Tochter fahma vier dieser Fahrzeuge, die im Rahmen eines Pilotprojektes von RMV, traffiQ und VGF getestet werden.

Der Job des Operators

Klaus` Aufgabe ist es, das Fahrzeug zu begleiten und im Notfall einzugreifen. Er kann das Programm überschreiben und selbstständig die Steuerung übernehmen (um Hindernisse manuell zu umfahren) oder einen der drei Notfallknöpfe drücken, um sofort abzubremsen. Gesteuert wird mit einer Art Joystick, einer Fernsteuerung, die sowohl im als auch außerhalb des Fahrzeuges genutzt werden kann. Das macht Klaus sehr viel Spaß, denn schließlich funktioniert die Bedienung wie bei einem ferngesteuertem Spielzeugauto, von denen er auch einige zu Hause hat. Der 61-Jährige berichtet stolz: "Ich habe alle Führerscheine, die es gibt" - und doch ist die Lenkung des Fahrzeuges aus der Zukunft wieder etwas komplett Neues. Bis zu 13 Meter Reichweite hat die manuelle Steuerung. 

VGF-Mitarbeiter Klaus Peter Düwel vor einem autonomen Fahrzeug

VGF-Mitarbeiter Klaus Peter Düwel testet als Operator die neuen Fahrzeuge.
(© rms GmbH)

Technisch gesehen könnten die Fahrzeuge auch von einer Leitstelle aus gesteuert werden - für öffentliche Tests sind jedoch Operatoren vor Ort gesetzlich vorgeschrieben. Insgesamt zwölf davon werden derzeit ausgebildet. Zwei Operatoren sind festangestellte VGF-Mitarbeiter, sie werden von zehn Studierenden unterstützt.

Autonomes Fahrzeug von innen

Maximal sechs Fahrgäste haben im Shuttle Platz.
(© rms GmbH)

Notfallknopf im autonomen Fahrzeug

Insgesamt drei Notfallknöpfe sind vorhanden.
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Manuelle Steuerung für das autonome Fahrzeug

Mit dem "Joystick" kann auch manuell gesteuert werden.
(© rms GmbH)

Einmessen der Fahrzeuge

In den ersten Tagen sollte der weiß-blaue Bus erst die Strecke kennenlernen - "Einmessen" nennt sich das. Dazu muss er erst mit dem Netzwerk verknüpft werden, die Umgebungskarte geladen werden. Sensoren und Kameras erforschen anschließend die Umwelt – um dann, sobald ein Hindernis erkannt wird, selbstständig abzubremsen und es zu umfahren. Der künstlichen Intelligenz wird quasi beigebracht, wie ein Mensch zu sehen, zu denken und zu handeln. Glücklicherweise muss nicht jedes Gefährt einzeln eingemessen werden. Sobald die Daten einmal erfasst sind, kann die Karte auch auf das zweite Fahrzeug übertragen werden. Die 360°-Sensoren nehmen jedes Objekt im Umkreis wahr – sobald sich ein Objekt im Umkreis von unter zwei Metern befindet, kommt es zu einem soften Stopp. Unter 50 Zentimetern wird abrupt angehalten. Ist das Hindernis außer "Sichtweite" nimmt das Fahrzeug selbstständig wieder Fahrt auf. Grundsätzlich geht das Risiko quasi gegen 0 – dennoch ist Herr Düwel anfangs noch zur Sicherheit vor Ort. 

Zahlen und Fakten

"EASYMILE EZ10" nennt sich das Fahrzeug, das am Mainkai die Blicke auf sich zieht. Der elektronische Busshuttle wiegt rund 2,1 Tonnen und verfügt im Testversuch über sechs Sitzplätze. Der Antrieb erfolgt elektrisch per Batterie, sechs Stunden dauert ein kompletter Ladezyklus, um dann bis zu 16 Stunden mit einer Akkuladung fahren zu können. Drei verschiedene Arten von LiDAR-Sensoren ("Light detection and ranging") verhelfen dem Gefährt zu einem "360-Grad-Blick": Vier LMS-Sensoren scannen den Nahbereich (bis zu 40 Meter), zwei VLP 16-Sensoren verorten das Fahrzeug im Raum, ein LMRS-Sensor scannt alle feststehenden Objekte wie Gebäude und Bäume in bis zu 220 Metern Entfernung. Die Sensoren senden Laserimpulse aus und registrieren dabei das zurückgestreute Licht. Aus der Zeitspanne zwischen Impuls und Registrierung ermitteln die Sensoren die Entfernung zu dem Ort, an dem das Licht gestreut wurde. So erkennen die Sensoren Gegenstände in der Umgebung, das Fahrzeug passt seine Geschwindigkeit an. Der Kostenpunkt für das High-Tech-Verkehrsmittel liegt im unteren sechsstelligen Bereich.

Autonomes Fahrzeug von Innen. Stehplatz Operator

Der Operator ist der Einzige, der während der Fahrt stehen darf. In der markierten Fläche ist sein Platz.
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Autonomes Fahrzeug Frontansicht

Drei verschiedene Arten von Sensoren ermöglichen einen 360-Grad-Blick.
(© rms GmbH)

Plakette 15 am autonomen Fahrzeug

Bis zu 15km/h darf während der Testphase gefahren werden.
(© rms GmbH)


Video: EASYMILE EZ10 am Mainkai unterwegs

(© rms GmbH)