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RMV aktuell

Autonomes Fahrzeug

Autonomes Fahrzeug "EASYMILE EZ10"
(© rms GmbH)

Erste Bilanz: Autonome Busse verzeichnen Fahrgastrekord

Seit zwei Monaten begeistern die autonomen Fahrzeuge vom Pilotprojekt EASY (Electric Autonomous Shuttle for You) am Frankfurter Mainufer die Menschen: Mittlerweile haben die beiden Fahrzeuge schon über 2.000 Kilometer auf der 700 Meter langen Teststrecke zurückgelegt und über 12.000 Fahrgäste befördert. Laut des Fahrzeugherstellers gibt es weltweit kein Pilotprojekt mit autonomen Fahrzeugen, das in so kurzer Zeit so viele Fahrgäste verzeichnen konnte.

Die eingesetzten Testfahrzeuge fahren seit September völlig selbstständig mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 Stundenkilometern zwischen Untermainbrücke und Alte Brücke. Ein Operator, der im Notfall eingreifen kann, ist immer mit an Bord. Nach der Fahrt können alle Fahrgäste ihre Eindrücke mittels Onlinefragebogen bewerten.

Der erste Testzeitraum ergab, dass die Passanten am Mainufer dem automomen Fahrzeug sehr aufgeschlossen und neugierig gegenüberstehen - das erklärt auch die hohen Fahrgastzahlen. Insgesamt wünschen sich die Fahrgäste einen Test auf einer längeren Strecke, die sie in ihren Alltag integrieren können. Deutlich wird zudem, dass ein echter Realbetrieb noch eine große Herausforderung an die verfügbare Technik darstellt.

Für weitere Tests hat der RMV nun zwei zusätzliche Fahrzeuge des Herstellers Navya gekauft. Die Fahrzeuge gehörten zuvor dem Versicherungskonzern R+V, der auch die Versicherung des Pilotversuchs am Mainufer übernimmt.

Hinweis: Wegen der Verlegung des samstäglichen Flohmarktes vom südlichen Mainufer (Schaumainkai) auf das nördliche Mainufer (Mainkai) im Januar 2020 wird der Verkehr der autonomen Testfahrzeuge an den Flohmarktagen eingestellt.

VGF-Mitarbeiter Klaus Peter Düwel begleitet das Fahrzeug während der Tests

Klaus Peter Düwel ist Schulkontaktpfleger bei der VGF. In seiner Aufklärungsmission will er Schüler wachrütteln, Unfälle verhindern, den Straßenverkehr ein wenig sicherer machen. Früher arbeitete Düwel als Busfahrer, war anschließend auch als Schienenbahnfahrer unterwegs. Jetzt hilft er dabei, einen Trend der Zukunft weiterzuentwickeln und begleitet als Operator die ersten autonomen Fahrzeuge im Testbetrieb. Die Kleinbusse fahren voll elektrisch, leise und sehr sicher. Im Juni erwarb die RMV-Tochter fahma vier dieser Fahrzeuge, die im Rahmen des Pilotprojektes EASY von RMV, traffiQ und VGF getestet werden.

Der Job des Operators

Klaus` Aufgabe ist es, das Fahrzeug zu begleiten und im Notfall einzugreifen. Er kann das Programm überschreiben und selbstständig die Steuerung übernehmen (um Hindernisse manuell zu umfahren) oder einen der drei Notfallknöpfe drücken, um sofort abzubremsen. Gesteuert wird mit einer Art Joystick, einer Fernsteuerung, die sowohl im als auch außerhalb des Fahrzeuges genutzt werden kann. Das macht Klaus sehr viel Spaß, denn schließlich funktioniert die Bedienung wie bei einem ferngesteuertem Spielzeugauto, von denen er auch einige zu Hause hat. Der 61-Jährige berichtet stolz: "Ich habe alle Führerscheine, die es gibt" - und doch ist die Lenkung des Fahrzeuges aus der Zukunft wieder etwas komplett Neues. Bis zu 13 Meter Reichweite hat die manuelle Steuerung. 

VGF-Mitarbeiter Klaus Peter Düwel vor einem autonomen Fahrzeug

VGF-Mitarbeiter Klaus Peter Düwel testet als Operator die neuen Fahrzeuge.
(© rms GmbH)

Technisch gesehen könnten die Fahrzeuge auch von einer Leitstelle aus gesteuert werden - für öffentliche Tests sind jedoch Operatoren vor Ort gesetzlich vorgeschrieben. Insgesamt zwölf davon wurden für das Projekt ausgebildet. Zwei Operatoren sind festangestellte VGF-Mitarbeiter, sie werden von zehn Studierenden unterstützt.

Autonomes Fahrzeug von innen

Maximal sechs Fahrgäste haben im Shuttle Platz.
(© rms GmbH)

Notfallknopf im autonomen Fahrzeug

Insgesamt drei Notfallknöpfe sind vorhanden.
(© rms GmbH)

Manuelle Steuerung für das autonome Fahrzeug

Mit dem "Joystick" kann auch manuell gesteuert werden.
(© rms GmbH)

Zahlen und Fakten

"EASYMILE EZ10" nennt sich das Fahrzeug, das am Mainkai die Blicke auf sich zieht. Der elektronische Busshuttle wiegt rund 2,1 Tonnen und verfügt im Testversuch über sechs Sitzplätze. Der Antrieb erfolgt elektrisch per Batterie, sechs Stunden dauert ein kompletter Ladezyklus, um dann bis zu 16 Stunden mit einer Akkuladung fahren zu können. Drei verschiedene Arten von LiDAR-Sensoren ("Light detection and ranging") verhelfen dem Gefährt zu einem "360-Grad-Blick": Vier LMS-Sensoren scannen den Nahbereich (bis zu 40 Meter), zwei VLP 16-Sensoren verorten das Fahrzeug im Raum, ein LMRS-Sensor scannt alle feststehenden Objekte wie Gebäude und Bäume in bis zu 220 Metern Entfernung. Die Sensoren senden Laserimpulse aus und registrieren dabei das zurückgestreute Licht. Aus der Zeitspanne zwischen Impuls und Registrierung ermitteln die Sensoren die Entfernung zu dem Ort, an dem das Licht gestreut wurde. So erkennen die Sensoren Gegenstände in der Umgebung, das Fahrzeug passt seine Geschwindigkeit an. Der Kostenpunkt für das High-Tech-Verkehrsmittel liegt im unteren sechsstelligen Bereich.

Autonomes Fahrzeug von Innen. Stehplatz Operator

Der Operator ist der Einzige, der während der Fahrt stehen darf. In der markierten Fläche ist sein Platz.
(© rms GmbH)

Autonomes Fahrzeug Frontansicht

Drei verschiedene Arten von Sensoren ermöglichen einen 360-Grad-Blick.
(© rms GmbH)

Plakette 15 am autonomen Fahrzeug

Bis zu 15km/h darf während der Testphase gefahren werden.
(© rms GmbH)


Video: EASYMILE EZ10 am Mainkai unterwegs

(© rms GmbH)