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Social Media Hero Peter Hohmann im Gespräch

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Peter Hohmann, DB Regio Mitte
(© DB Regio Fulda)

Eisenbahner mit Herz sind gewiss viele auf deutschen Schienen unterwegs, aber nur wenige tragen die Ehrennadel, mit der die offiziellen Sieger des Wettbewerbs der Allianz pro Schiene ausgezeichnet werden. Erstmals wurde in diesem Jahr auch ein "Social Media Hero" geehrt, der auf Facebook zum Stichtag rund 6.000 "Gefällt-mir"-Angaben von den Bahnkunden erhielt. Wir haben mit Peter Hohmann über die Ereignisse der letzten Wochen gesprochen.

Wie fühlt es sich an, den Publikumspreis "Social Media Hero" erhalten zu haben?

Im Nachhinein, als ich realisiert habe, was es ist, bedeutet es mir sehr viel. Am Anfang wusste ich weder etwas von dem Wettbewerb noch von der kompletten Abstimmung.

Wie haben Sie von der Auszeichnung erfahren?

Frank Dieter hat mich nominiert, einer von tausenden Pendlern. Zunächst kam eine Anfrage aus Berlin, die ein Foto machen wollten, dann war zwei bis drei Wochen Ruhe und dann ging es über Ostern schlagartig los. Karfreitag, Samstag und Sonntag hatte ich zufällig frei und Ostermontag ruft bei uns die Fuldaer Zeitung total begeistert an und gratuliert. Ich dachte, erster April war doch gestern. Dann haben sich die Anrufe überschlagen. Tausende von Anfragen …

Haben Sie inzwischen alle Facebook-Kommentare gelesen?

Ich bin irgendwann mal stehengeblieben, da bräuchte ich Sonderurlaub. Ich habe einen Teil gelesen und den Rest muss ich jetzt Stück für Stück bei jeder Schicht abarbeiten – bei den Leuten persönlich.

Im Umgang mit den Kunden hat sich nun bestimmt einiges geändert?

Am Tag werde ich vier- bis fünfhundert Mal im Zug angesprochen. Ich war früher beliebt, die Leute haben ihre Probleme und da muss man ein offenes Ohr haben. Das haben die Fahrgäste über Jahre gemerkt. Die Kunden sagen, wenn sie von dem Wettbewerb gewusst hätten, dann hätten sie schon vor zehn oder fünfzehn Jahren für mich abgestimmt.

Erfahren Sie nun mehr Resonanz von jungen Leuten?

Extrem. Vor allem von Schülern im Alter von sechs bis siebzehn Jahren. Die wollen jede Menge Fotos machen. Fotos und Selfies.

Wie fühlen Sie sich bei dem ganzen Rummel?

Ich habe ja keinen Friedensnobelpreis gewonnen, ich mache meine normale Arbeit. Es ist schön, dafür etwas zurückzubekommen. Jetzt, da ich alles realisiert habe, ist es sagenhaft und schön. Obwohl es für mich von Null auf Tausend ging.

Hat sich im Umgang mit den Kollegen etwas verändert?

Die Kollegen sagen, ach das ist ja super und manche sagen, die Fahrgäste hätten heute schon wieder hundert Mal nach mir gefragt. Die Kollegen sitzen quasi auch alle im Boot mit drin.

Können Sie ein paar Eindrücke von der Preisverleihung und Gala in Berlin schildern?

Die Gala war sehr schön, wir sind mit dem ICE hochgefahren, Frank Dieter und ich. Es gab ein abwechslungsreiches Programm mit Livemusik und es waren um die 80 eingeladene Gäste und unser Chef, Dr. Lutz, da. Es war eine feierliche Ehrung mit Urkunde und Anstecknadel, die ich jetzt auch anziehen darf. Dann gab es ein Menü, es war eine sehr schöne und lockere Runde.

Gibt es auch Fahrgäste, die nun extra mit Ihnen fahren wollen?

Es gibt auch ein paar Fernreisende, die mich angeschrieben haben, die jetzt Fernverkehr fahren, die in Frankfurt aussteigen und mit mir nach Fulda und von dort aus weiter fahren wollen. Es könnte also auch sein, dass wir demnächst zu wenig Waggons haben, kleiner Spaß.

Haben Sie auch Autogrammkarten?

Ja, selbstverständlich. Die habe ich von Berlin zugeschickt bekommen, ca. hundert Stück, die sind schon weg.

Wie sind Ihre Pläne fürs nächste Jahr? Wollen Sie den Preis wieder gewinnen?

Ich denke, ich würde bestimmt erstmal aussetzen. Außerdem kann ich ja selber nicht antreten, man muss ja gewählt werden. Ich lass es einfach auf mich zukommen. Ich würde mich jetzt auch nie verändern. Für mich ist es ein ganz normaler Tag, wie alle anderen auch. Ich werde meinen Hobbys nachgehen, Reisen machen und was sonst so ist.

Welche Hobbys sind das?

Ich habe einen riesengroßen Garten, der ist auch auf dem Eisenbahngelände und da habe ich auch zwei Gewächshäuser, in denen ich Erdbeeren, Salat und Blumen anbaue. Da findet man wirklich Ruhe. Wenn man den ganzen Tag mit Leuten zu tun hat, muss man auch mal abschalten. Dafür ist Gartenarbeit bestens geeignet. Ein Traum. Besonders jetzt, wenn das Wetter gut ist.

Wie kommt es zu Ihrer Liebe zur Gartenarbeit?

Ich habe ganz früher bei der Stadt Fulda eine Ausbildung gemacht im Gartenbauamt, drei Jahre bevor ich zur Bahn bin. Ich komme aus einer Eisenbahner-Familie, bei uns sind alle bei der Eisenbahn. Mein Bruder war erst in Gelnhausen beim Stellwerk, jetzt in Fulda, unsere Oma war bei der Mitropa damals tätig, im Speisewagen, mein Vater war bei den Rangierern und hat die Rangierloks gefahren hier im Güterbahnhof. Zur damaligen Zeit hieß es dann vom Vater, da es im Winter schlecht ist für Gärtner, wir machen morgen einen Termin, bei den Schaffnern suchen sie noch Leute. Und so bin ich dann da hängengeblieben. 

Gab es auch mal einen anderen Berufswunsch?

Ich wollte immer etwas draußen machen und mit Natur. Aber das hat mir mit den Leuten auch so gut gefallen, deswegen könnte ich es mir heute gar nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen. Im Garten arbeite ich sowieso. Das passt, das kann man gut verbinden.

Ist der Umgang mit den Menschen, das, was Sie an dem Beruf reizt?

Ja, zu hundert Prozent. Ohne Kunden, das wäre trostlos, langweilig.

Wie gehen Sie mit brenzligen Situationen um?

Meistens gelingt es mir gut, auch in brenzligen Situationen die Leute zu beruhigen und sie zufrieden zu stellen. Man muss den Leuten zuhören und sich mit ihnen unterhalten, dann sind sie gleich entspannter. Die Zeiten haben sich geändert, die Leute sind gestresster, hektischer und da muss ich entgegenwirken, Wind aus den Segeln nehmen und für eine gute Atmosphäre sorgen.

Was ist Ihnen bei Ihrer täglichen Arbeit besonders wichtig?

Wichtig ist mir, dass die Leute mich erkennen und wahrnehmen, Präsenz zeigen, ein offenes Ohr haben und für die Kundschaft da sein. Sehen und gesehen werden. Dass ich jeden, wenn möglich, einmal sehe und dass ich ansprechbar bin.

Das schönste Erlebnis auf einer Fahrt?

Wüsste ich spontan nicht, ich bin zufrieden, wenn die Leute zufrieden an ihrem Zielbahnhof ankommen. 

Gibt es Freundschaften, die aus Begegnungen und aus Gesprächen im Zug entstanden sind?

Ich habe jede Mengen Freundschaften jetzt schon über Jahre geschlossen. Vor zwei Jahren habe ich eine Familie besucht, die kommen aus der Dominikanischen Republik, und es gibt eine Familie aus Bad Soden-Salmünster, denen mache ich schon jahrelang den Garten. 

Was möchten Sie Ihren Fahrgästen am Ende noch sagen?

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen Leuten bedanken. Für die große Resonanz und für die netten Kommentare!