Zum Inhalt springen

RMV Frankfurt aktuell

Potenzialstudie über eine Straßenbahn von Frankfurt nach Bad Vilbel

Ist der Bau einer Straßenbahn von Frankfurt nach Bad Vilbel sinnvoll und machbar? Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und der Bad Vilbeler Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr haben am Montag, 20. Januar 2020, vereinbart, das Potenzial für diese Verbindung untersuchen zu lassen.

Unterzeichnung der Vereinbarung für eine Potenzialstudie über eine Straßenbahn von Frankfurt nach Bad Vilbel am 20. Januar 2020

(© Stadt Frankfurt am Main, Foto: Rainer Rüffer)

Foto:

Unterzeichnung der Vereinbarung für eine Potenzialstudie über eine Straßenbahn von Frankfurt am Main nach Bad Vilbel am 20. Januar 2020 in Bad Vilbel. Von links, vorn: Sebastian Wysocki (Erster Stadtrat Bad Vilbel), Dr. Thomas Stöhr (Bürgermeister Bad Vilbel), Peter Feldmann (Oberbürgermeister Frankfurt am Main), Klaus Oesterling (Verkehrsdezernent Frankfurt am Main), hinten: Joachim Arnold (Geschäftsführer Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe), Stefan Klöppel (Leiter ZOV Verkehr), Dr.-Ing. Tom Reinhold (Geschäftsführer traffiQ Frankfurt am Main). 

Meilenstein der Zusammenarbeit

"Erstmals seit über einhundert Jahren", so Feldmann, "wird ein Ausbau der Frankfurter Straßenbahn über die Stadtgrenzen hinaus angestrebt. Das ist ein Meilenstein der interkommunalen Zusammenarbeit." Sein Bad Vilbeler Kollege Stöhr ergänzt: "Die Einwohnerzahlen gerade im Kern des Rhein-Main-Gebietes nehmen stetig zu - wir möchten den Menschen, Mobilitätsmöglichkeiten bieten, die die gesamte Region miteinander verbinden. Hier kommt dem Öffentlichen Personennahverkehr zukünftig eine noch entscheidendere Rolle zu."

Untersucht werden Nachfrage und Trassenverlauf

Frankfurt am Main und Bad Vilbel werden gemeinsam die Potenzialstudie in Auftrag geben. "Die zu untersuchende Straßenbahnverbindung zweigt nördlich der Friedberger Warte in Frankfurt (Haltestelle Bodenweg) von der bestehenden Straßenbahnlinie 18 ab und verläuft weiter im Bereich der Friedberger Landstraße. Ab der Stadtgrenze zu Bad Vilbel gibt es zwei Trassenvarianten: Eine verläuft direkt entlang der Frankfurter Straße. Die andere folgt dem heutigen Verlauf der Buslinie 30 über die Alte Frankfurter Straße. Beide Varianten führen ab dem Heilsberg wieder gemeinsam auf der Frankfurter Straße bis zum Südbahnhof in Bad Vilbel", beschreibt der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling den Plan.

"Die Studie soll darlegen, ob für diese Verbindung die notwendige Nachfrage besteht. Gegenstand der Analyse soll aber auch der Trassenverlauf und dessen technische, verkehrliche und städtebauliche Machbarkeit sein. Bestandteil des Auftrags an den Gutachter sind außerdem eine Weiterführung bis zum Bad Vilbeler Nordbahnhof sowie die Möglichkeiten, im Bereich der Unfallklinik (Frankfurt) und der Musterhaus-Siedlung (Bad Vilbel) P+R-Plätze einzurichten", erläutert Bad Vilbels Erster Stadtrat, Sebastian Wysocki.

"Der ZOV unterstützt als lokaler ÖPNV-Aufgabenträger die Untersuchung ebenfalls und erwartet eine Stärkung der Knotenpunktfunktion von Bad Vilbel im nördlichen Frankfurter Umland", ergänzt Joachim Arnold, Geschäftsführer des Zweckverbandes Oberhessen.

Heutige Situation

Heute verkehrt auf dieser Verbindung die Buslinie 30 (Bad Vilbel Bahnhof - Friedberger Warte - Konstablerwache - Sachsenhausen Hainer Weg). Sie wird zwischen Bad Vilbel und Friedberger Warte täglich von bis zu 5.000 Fahrgästen genutzt. Sie stellt damit neben der S-Bahn-Linie S6, die zurzeit ausgebaut wird, schon heute eine wichtige Nahverkehrsverbindung zwischen den beiden Nachbarstädten dar. "Die Umstellung einer mit Dieselbussen betriebenen Linie auf die elektrische Straßenbahn hat klare ökologische Vorteile und ist für die Fahrgäste attraktiv - sie wäre sicher ein Beitrag, den Modal split zugunsten des Nahverkehrs zu verbessern", sind Wysocki und Oesterling überzeugt.

Ökologische Bewältigung des Verkehrs

Für Oberbürgermeister Feldmann und Bürgermeister Dr. Stöhr spielt die ökologische Bewältigung des Verkehrs im Ballungsraum Rhein-Main bei ihren Überlegungen eine wichtige Rolle: "Eine Straßenbahnverbindung von Bad Vilbel über die Unfallklinik, das Frankfurter Nordend bis in die Innenstadt und ggf. nach Sachsenhausen wäre ein zukunftsweisendes Angebot für die vielen Pendlerinnen und Pendler, die heute täglich über die Friedberger Landstraße aus dem Nordosten und Osten nach Frankfurt fahren. Wir brauchen nicht darauf hinzuweisen, dass dieses e-mobile Angebot auch die Luftreinhalteziele der Stadt Frankfurt enorm unterstützen würde."

Ergebnis im Sommer 2020 erwartet

Beide Partner sind zuversichtlich, ein positives Ergebnis zu erreichen, so dass Frankfurt und Bad Vilbel ein neues Kapitel der nachbarschaftlichen Zusammenarbeit aufschlagen können. In diesem Fall erwarten sie auch die Unterstützung der Hessischen Landesregierung, die immer wieder betont, den Ausbau des Schienennetzes vorantreiben zu wollen.

"Die Kosten der Studie werden zu 50 Prozent von traffiQ, der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft der Stadt Frankfurt am Main, sowie zu je 25 Prozent von der Stadt Bad Vilbel und der Lokalen Nahverkehrsorganisation des Wetteraukreises, dem Zweckverband Oberhessischer Versorgungsbetriebe (ZOV), getragen", erklärt traffiQ-Geschäftsführer Dr.-Ing. Tom Reinhold abschließend. Das Ergebnis der Studie soll möglichst bis zum Sommer 2020 vorliegen.

Karte mit zu prüfenden Streckenvarianten einer Straßenbahn Frankfurt - Bad Vilbel

Potenzialstudie über eine Straßenbahn von Frankfurt am Main nach Bad Vilbel - Zu untersuchende Varianten
(© traffiQ Frankfurt am Main. Kartengrundlage: Stadtvermessungsamt Frankfurt am Main, Stand 2019.)