Frau im Führerstand

Rund 500 Lokführerinnen und Lokführer - oder korrekt gesagt: "Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport" - beschäftigt die S-Bahn Rhein-Main. Nur 4 Prozent davon sind Frauen. Eine von ihnen ist Lokführerin Larena Dana Zinkel. Für Sie bedeutet ihr Beruf Flexibilität, Freiheit und Teamgeist. Sie fühlt sich im Führerstand einer S-Bahn sichtlich wohl.

Frau in der Führerkabine einer S-Bahn mit Monitoren und Fahrplanheft

(© rms GmbH)

Die junge Frau ist selbstbewusst. Als Lokführerin trägt sie die Verantwortung für ihr Fahrzeug. Wenn ein Fahrgast zum Beispiel die Notrufklingel drückt, kümmert sie sich. Wenn am Zug eine technische Störung eintritt, muss sie nachschauen, wo das Problem ist. Für Larena Dana Zinkel ist das kein Problem. Doch jede und jeder könne sich auch immer auf das Team verlassen: "Wenn ich mit einer Fahrzeugstörung am Gleis stehe, würde mich niemals ein Kollege einfach stehen lassen. Dann halten wir immer zusammen", sagt sie. Gleichzeitig liebt sie aber besonders an ihrem Beruf, alleine unterwegs zu sein, die Natur und die Ruhe zu genießen. 

Von der Laborassistentin zur Lokführerin

Lokführerin werden - das war für Larena Dana Zinkel nicht gleich ihr Traumberuf. Der Zufall und ihre Spontanität haben dazu geführt, dass sie heute die S-Bahnen fährt.

Nachdem Zinkel ihre Mittlere Reife abgeschlossen hatte, begann sie zunächst eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistentin. Ein Frauenberuf, wie sie selbst sagt: "Wir waren 47 Auszubildende, davon 42 Frauen und fünf Männer." Die 24-Jährige lacht: "Und jetzt ist es das genaue Gegenteil."

Lokführerin tippt auf einen Bildschirm im Führerstand.

(© rms GmbH)

2015 bewarb sich Larena Dana Zinkel also für die Ausbildung zur Eisenbahnerin im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Lokführerin und Transport bei der DB Regio AG für die S-Bahn Rhein-Main. Etwas völlig anderes sollte es sein und dieser Wechsel war genau richtig. Zinkel ist sich sicher: Mehr Frauen würden den Beruf der Lokführerin ergreifen, wenn sie wüssten, dass sie es genau so gut können wie Männer.

Drei Jahre später hielt Larena Dana Zinkel ihren Handwerksbrief in den Händen und dann ging es auch schon los: "Die erste Fahrt allein war schon besonders, ich hab erst einmal gezittert", erzählt sie. "Man merkt aber nicht, dass da noch 200 Meter hinten dran hängen. Man konzentriert sich auf den Führerstand."

Die Ausbildung zum Lokführer oder zur Lokführerin ist eine dreijährige duale Ausbildung. In den ersten Jahren steht die Theorie zum Bahnbetrieb im Vordergrund: Was ist der Bahnbetrieb? Wie ist die Bahn entstanden? Wie hat sich die Bahn entwickelt? Aber auch praktische und technische Fragen werden besprochen, wie zum Beispiel Signale oder die Motoren der Züge.

Weitere Stationen der Ausbildung sind das Arbeiten im Zugbegleitdienst sowie das Kennenlernen des Berufs des Fahrdienstleiters.

Im dritten Jahr fahren die Auszubildenden gemeinsam mit einem Praxisvermittler zum ersten Mal einen Zug. Sie begleiten ihn bei seiner Schicht, bereiten die Fahrzeuge gemeinsam mit ihm vor und prüfen das Triebfahrzeug. Zum Ende der Ausbildung schließen die Azubis verschiedene Prüfungen ab und erwerben den Führerschein. Ist man bereits 20 Jahre alt, geht es danach los mit den eigenen Schichten.

Mehr dazu, was ein Eisenbahner im Betriebsdienst mit der Fachrichtung Lokführer und Transport macht und wie die Ausbildung ist, hat der Nachwuchslokführer Bastian Sambill berichtet. (Stand: 15.05.2019)

Kenntnisse der Baureihe, der Strecke und des Wetters

Mittlerweile ist Larena Dana Zinkel seit eineinhalb Jahren selbstständig im Führerstand unterwegs. Fahren kann sie die S-Bahn-Baureihen 423, 425 und 430. Ob sie es merkt, welches Fahrzeug sie fährt? "Ja, auf jeden Fall! Auch wenn ich mal mit einem Fahrzeug auf einer anderen Linie unterwegs bin, das ist ein Unterschied." Welches Wetter die Fahrt mit der jeweiligen Baureihe beeinflusst, macht sich dann ebenso bemerkbar. "In Richtung Niedernhausen gibt es viel Waldgebiet, wenn es regnet, kann es rutschig werden beim Bremsen", sagt Zinkel. Die Fahrgäste bekämen davon aber nichts mit, denn die Lokführer kennen die Strecke und die Fahrzeuge genau.

Wohnortnahe Einsatzstellen

Unterwegs und ausgebildet ist Zinkel auf allen Strecken im Rhein-Main-Gebiet, ihr Start- und Endpunkt einer Schicht ist aber meistens ihre Einsatzstelle.

Die S-Bahn Rhein-Main ist dezentral organisiert, es gibt verschiedene Einsatz- beziehungsweise Meldestellen. Das bringt den Vorteil für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sich, dass sie wohnortnah ihre Schicht antreten können. Dennoch bedient jede Einsatzstelle jede Leistung im Gebiet, das bedeutet, egal von wo der Lokführer oder die Lokführerin den Dienst startet, er und sie wird auf allen neun S-Bahn-Linien eingesetzt.

Auch die Dienstpläne werden familienfreundlich gestaltet: "Es gibt Kollegen, die machen nur Frühschichten oder nur Spät- und Nachtschichten", erklärt die Lokführerin. So könne jeder seinen Tag gestalten, wie es ihm und ihr am besten passt.

Im Führerstand einer S-Bahn sitzt eine Lokführerin

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Die Fahrt geht los

Bevor die Schicht und konkret eine Fahrt losgehen kann, muss die Lokführerin das Fahrzeug vorbereiten: Sie stellt die Anzeigen ein, damit die Fahrgäste wissen, in welchem Fahrzeug sie sitzen. Sie lädt den Fahrplan auf den Monitor, auf dem zum Beispiel angezeigt wird wie schnell sie fahren darf oder um welche Uhrzeit sie an welcher Haltestelle abfährt. Sie identifiziert sich mit ihrer persönlichen Nummer auf dem Fahrzeug und schaltet das Funkgerät ein.

Wenn alles vorbereitet ist, macht Zinkel die Durchsage, dass der Zug abfährt und schließt die Türen. Dann beginnt die Fahrt - Hebel nach vorne und los geht es.

Eine Frau sitzt in der Führerstandskabine einer S-Bahn und schaut auf die Gleisen

Aus dem Führerstand in die Natur zu schauen und das Wetter zu beobachten, erfüllt die Lokführerin Larena Dana Zinkel mit einem Gefühl von Freiheit.
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