Abfahrtszeiten an einer Haltestelle mit aktuellen Verkehrshinweisen.

Test des ersten Batteriezugs Hessens läuft

(v.l.n.r.) Prof. Knut Ringat, Kaweh Mansoori, Benjamin Dobernecker, Andreas Kowol und Veit Salzmann
© RMV/Arne Landwehr

Seit Mitte Dezember läuft auf der Linie RB21 "Ländchesbahn" zwischen Wiesbaden und Niedernhausen ein einjähriger Testbetrieb mit einem batterieelektrischen Zug (BEMU = Battery Electric Multiple Unit). Das Fahrzeug kommt auf ausgewählten Fahrten zum Einsatz und ersetzt dort herkömmliche Dieselzüge.

Ziel des Projekts ist es, unter realen Bedingungen zu erproben, wie klimafreundliche Alternativen zum Dieselbetrieb auf nicht elektrifizierten Strecken funktionieren können.

Konzepte für den regionalen Schienenverkehr

Der Test ist ein wichtiger Baustein für einen modernen und verlässlichen Nahverkehr. Gerade dort, wo der Bau von Oberleitungen kurzfristig nicht umsetzbar ist, sollen alltagstaugliche und zuverlässige Lösungen den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn erleichtern. Die gewonnenen Erfahrungen aus dem Batteriezug-Betrieb fließen daher in die Weiterentwicklung pragmatischer und umweltverträglicher Konzepte für den regionalen Schienenverkehr ein.

Der auf der "Ländchesbahn" eingesetzte Batteriezug bietet 122 Sitzplätze, fährt unterwegs mit Batterie und lädt überall dort auf, wo eine Oberleitung existiert, wie in Wiesbaden oder Niedernhausen. Er verfügt aber nicht nur über eine moderne Antriebstechnologie, auch die Ausstattung ist zukunftsweisend und bietet Fahrgästen Komfort: Hierzu gehören beispielsweise großzügige Mehrzweckbereiche, WLAN, große Infodisplays, zahlreiche Steckdosen und USB-Lademöglichkeiten sowie neu entwickelte Hochfrequenz-Scheiben, die für deutlich verbesserten Mobilfunkempfang sorgen. Vorgesehen sind je Richtung und Tag vier Fahrten zu unterschiedlichen Zeiten. Die stark nachgefragten Verbindungen werden weiterhin mit zwei gekoppelten Dieselzügen durchgeführt, um Fahrgästen genug Platz zu bieten.

Der Testbetrieb wird aus Mitteln des RMV finanziert und dafür beim Siemens-Tochterunternehmen Smart Train Lease GmbH ein Fahrzeug angemietet. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt sollen in die Planung künftiger Fahrzeugkonzepte und Ausschreibungen einfließen. Betreiberin der "Ländchesbahn" ist die Hessische Landesbahn, sie hat ihre Lokführer auf das neue Fahrzeug geschult.

Zukunft des Nahverkehrs ist emissionsfrei

Mehr als ein Drittel der Schienenstrecken in Hessen sind nicht elektrifiziert. Der neue Bahntyp kombiniert eine elektrische Antriebsleistung mit modernen Batterien, sodass er auch auf Abschnitten ohne Oberleitung dieselfrei unterwegs ist. Damit kann er einen Beitrag auf dem Weg zu einem lokal CO₂-ärmeren Schienenverkehr in Hessen leisten. Ob Elektrifizierung, Batterie oder Wasserstoff - ab 2030 sind in den Ausschreibungen für nicht-elektrifizierte Strecken im RMV-Gebiet keine Dieselzüge mehr vorgesehen, die Zukunft des Nahverkehrs ist emissionsfrei.