23.01.2026: Test des ersten Batteriezugs Hessens läuft
CO2-freie Fahrt ohne Oberleitung / erste Erkenntnis: 70 % geringerer Energieaufwand / wertvolle Erkenntnisse von einjährigem Test erwartet
Seit Mitte Dezember läuft der einjährige Testbetrieb eines batterieelektrischen Zugs auf der RB21 „Ländchesbahn“ zwischen Wiesbaden und Niedernhausen. Er ist auf ausgewählten Fahrten im Einsatz und ersetzt dabei klassische Dieselfahrzeuge.
„Wir sind offen für neue Ideen und klimafreundliche Technologien, die zeigen, wie ein moderner und verlässlicher Nahverkehr funktionieren kann. Denn Hessen braucht schnelle, alltagstaugliche und zuverlässige Lösungen. Besonders dort, wo die Herausforderungen groß sind – etwa, wenn Oberleitungen wie auf der Ländchesbahn kurzfristig nicht realisierbar sind. Die Erfahrungen aus dem Testbetrieb des Batteriezugs sind daher für uns bei der Suche nach pragmatischen, umweltverträglichen Modellen sehr wertvoll“, so Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori.
„Rund ein Drittel der Bahnstrecken in Hessen haben keine Oberleitung und werden heute mit Dieselzügen betrieben“, so RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat. „Während auf dicht befahrenen Strecken die Nachrüstung einer elektrischen Oberleitung das Mittel der Wahl ist, sorgen Batteriezüge für lokale CO2-freie Mobilität ohne Bau einer Oberleitung auf der gesamten Strecke. Das bietet die Chance, bei Neufahrzeugen konsequent auf Dieselantrieb zu verzichten, wie wir es auf der Ländchesbahn ab 2032 vorhaben.“
„Die Ländchesbahn eignet sich hervorragend als Teststrecke für die Batteriezüge vom Typ „Mireo Plus B“, da die Fahrzeuge dort, wo eine Oberleitung vorhanden ist, etwa in Wiesbaden oder Niedernhausen, diese zum Laden nutzen“, so Veit Salzmann, Geschäftsführer der Hessischen Landesbahn. „Ein weiterer Vorteil der elektrischen Batteriezüge ist, dass wir beim Bremsen Energie zurückgewinnen und so für einen geringeren Energiebedarf gegenüber Dieselzügen sorgen.“
Nach ersten Erkenntnissen der Hessischen Landesbahn liegt der Energieverbrauch des Batteriezugs in den Tests rund 70 % unter denen von Dieselfahrzeugen. Möglich macht dies vor allem die Rückspeisung von Energie beim Bremsen. Der Elektromotor läuft dabei rückwärts und wird zum Stromgenerator.
Finanziert wird der Testbetrieb aus Mitteln des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV); das Fahrzeug ist von der HLB über das Siemens-Tochterunternehmen Smart Train Lease GmbH angemietet.
„Je nach den auf der jeweiligen Strecke gegebenen Rahmenbedingungen, wie Fahrgastaufkommen oder abschnittsweise vorhandenen Oberleitungen, gibt es die Batteriezüge in unterschiedlichen Versionen. Die Möglichkeit, die Fahrzeuge zu leasen, erhöht ebenso die Flexibilität bei der perspektivischen Ablösung von Dieselzügen“, so Benjamin Dobernecker, CEO der Smart Train Lease GmbH.
Aktuell erfolgen je Richtung und Tag vier Fahrten mit dem Batteriezug. Fahrten mit besonders hoher Nachfrage werden weiterhin mit zwei gekoppelten Dieselzügen durchgeführt, um ausreichend Kapazität bereitzustellen.
Dass Batteriezüge in Hessen Zukunft haben, belegt auch der seit Herbst 2025 laufende Einsatz von Mireo Plus B-Fahrzeugen der Hessischen Landesbahn im Auftrag des SPNV-Nord auf der Oberwesterwaldbahnlinie RB90 und der RB29.
Weitere Stimmen aus dem Aufsichtsrat des RMV
Andreas Kowol, Wiesbadens Dezernent für Bauen und Verkehr: „Der Test auf der von Wiesbaden ausgehenden Ländchesbahn passt hervorragend zu unserer städtischen Elektrifizierungsstrategie und verbessert neben dem Klimaschutz auch die Situation vor Ort: weniger lokale Emissionen und eine geringere Lärmbelastung.“
Sandro Zehner, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises: „Wir sehen hier ein Stück Zukunft und das quasi direkt vor unserer Haustür. Ich freue mich, dass die Ländchesbahn im Rheingau-Taunus-Kreis die erste RMV-Strecke ist, auf der Batteriezüge getestet werden und so das Potenzial der Ablösung von Dieselzügen sicht- und erlebbar wird.“
Hintergrund Mireo Smart Plus B
Der Mireo ist ein von Siemens Mobility entwickeltes Fahrzeug, das mit unterschiedlicher Länge und damit Platzanzahl und sowohl als reines Oberleitungsfahrzeug, mit Batterien (Mireo Plus B) oder mit Wasserstoffantrieb (Mireo Plus H) angeboten wird. Der auf der Ländchesbahn eingesetzte zweiteilige Batteriezug mit Stromabnehmer zur Nutzung vorhandener Oberleitungen hat eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Er bietet 122 Sitzplätze, großzügige Mehrzweckbereiche, kostenloses WLAN und zahlreiche Steckdosen und USB-Lademöglichkeiten.
Stand: 23.01.2026

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