Abfahrtszeiten an einer Haltestelle mit aktuellen Verkehrshinweisen.

Mobil auf der Straße und auf dem Platz

Beim zweiten Mobilitätskongress in Wixhausen dabei waren (von links) Jens Prüller (Landesportbund Hessen), Ellen Lewis (Sportkreis Darmstadt-Dieburg), Jenny Fischer (TSV Klein-Umstadt), Arne Rath (HEAG mobilo), Lutz Köhler (Vizelandrat Darmstadt-Dieburg), Ralf-Rainer Klatt (TusS Griesheim), Thomas Stetz (SG Arheilgen), Jörg Gerhard (DADINA), Paul Georg Wandrey (Stadtrat Darmstadt) und Prof. Dr.-Ing. Jürgen Follmann (hda).
© Guido Schiek

 

Beim zweiten Mobilitätskongress stand die Verbindung von Sport und Verkehr im Mittelpunkt.

(DADINA). Wie hängen Mobilität und Vereinssport zusammen? Und welche Rolle spielt dabei der ÖPNV? Diese und weitere Fragen rund um die verwandten Themen Bewegung und Fortbewegung waren Gegenstand des zweiten Mobilitätskongresses, zu dem der Landkreis Darmstadt-Dieburg, die Stadt Darmstadt, die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation DADINA und der Hochschule Darmstadt gemeinsam nach Wixhausen eingeladen hatten.

Moderiert wurde die Veranstaltung im Bürgermeister-Pohl-Haus von Prof. Dr. Jürgen Follmann. Als Impulsredner waren Jens Prüller vom Landessportbund Hessen e.V., HEAG-mobilo-Geschäftsführer Arne Rath, Prof. Dr. Kai Vöckler von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach vor Ort. Als Repräsentanten der Vereine diskutierten zudem Jenny Fischer (stellvertretende Vorsitzende des TSV 1909 Klein-Umstadt), Ralf-Rainer Klatt (Präsident  TuS Griesheim 1899 e.V.), Thomas Stetz (Präsident der SG Arheilgen 1876 e.V.) und Ellen Lewis (Referentin Integration, Inklusion und Öffentlichkeitsarbeit im Sportkreis Darmstadt-Dieburg e.V.) auf dem Podium.

Begrüßt wurden die Teilnehmer des Kongresses durch die Verkehrsdezernenten in Darmstadt-Dieburg und Darmstadt, Erster Kreisbeigeordneter und Vizelandrat Lutz Köhler und Stadtrat Paul Georg Wandrey. Beide machten deutlich, wie komplex die Anforderungen an Mobilität gerade im Sport oft sind: „Der Weg zur Sportstätte ist auf dem Land oft erfreulich kurz“, schilderte Vizelandrat Köhler. „Aber spätestens bei Wettkämpfen sieht das anders aus. Wo Sport stattfinden soll, müssen wir gute Mobilitätsmöglichkeiten bieten. Das kann, aber muss nicht der ÖPNV sein.“

Stadtrat Wandrey bestätigte das aus eigener Erfahrung: „Ich bin dankbar für jedes Vereinsangebot, zu dem meine Kinder selbstständig gehen können. Dabei stellen sich uns Eltern immer zwei Fragen: Wie machen sie das? Und: Ist das sicher?“  Gerade diese Frage nach der Sicherheit führt zu einem Phänomen, das sonst vor allem mit Schulen in Verbindung gebracht wird, wie Moderator Follmann als langjähriger Vorsitzender eines Sportvereins berichtete: „Man hat ein größeres Problem mit Eltern-Taxis als manche Grundschule.“

Sein Gegenvorschlag ist simpel: „Schulwegepläne für Kinder sind allgemein akzeptiert. Das bräuchten wir meines Erachtens auch für die Sportvereine.“ So könnte der Sicherheit der Kinder Rechnung getragen werden, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Sport kommen. Dass das Auto parallel eine wichtige Rolle spielt, stand für Follmann außer Frage. „Gerade im Mannschaft- und Leistungssport stellt sich sonst schnell die Frage, wie man zum Turnier kommen soll.“

Follmann plädierte auch dafür, die Wege der Erwachsenen in den Blick zu nehmen. „Der Weg zum Sport kann schon Bewegung sein.“ Das sei nicht zu unterschätzen, denn laut einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse bewegen sich fast ein Drittel der Menschen in Deutschland weniger als eine halbe Stunde am Tag. Ein knappes Drittel der Menschen zwischen 65 und 79 Jahre habe Schwierigkeiten, Wegstrecken unter einem Kilometer zu Fuß zurückzulegen.

Trotz dieses Ausblicks lag der Fokus des Mobilitätskongresses deutlich auf den Nachwuchsportlern. „Sport muss vielleicht an einem anderen Ort stattfinden“, regte Jens Prüller vom Landessportbund Hessen an und schlug eine enge Einbindung der Sportvereine in die Gestaltung des Ganztagesunterrichts an Schulen vor. Denn: „Erster Bewegungsraum ist der Schulhof.“

Wie Verkehrsinfrastruktur Raum für offene Sportstätten bieten könnte, stellte Prof. Dr. Kai Vöckler vor. Eine Gruppe Studierender hatte Konzepte dafür erstellt, unter der Kaiserleibrücke in Offenbach einen Skatepark oder eine andere Sportanlage anzulegen. Die Idee – oben die Autobahn 661, unten ein belebter öffentlicher Raum – fand viel Zuspruch und wurde sogar ausgezeichnet.

Bereits real und vielgenutzt sind Mikro-Mobilitätsangebote. HEAG-mobilo-Geschäftsführer Arne Rath stellte vor, wie Miet-E-Scooter in Griesheim und Eberstadt den ÖPNV ergänzen – beispielsweise als Lückenschluss zwischen den Straßenbahnhaltestellen und Sportstätten.

Und wie sieht die Verknüpfung von Mobilität und Sport aus Sicht der Vereine aus? Nach ihren Wünschen an die Politik befragt, waren sich Jenny Fischer, Ralf-Rainer Klatt, Thomas Stetz und Ellen Lewis einig: Die Expertise der Sportvereine sollte bei Entscheidungsprozessen integriert werden. „Binden Sie uns stärker ein, nehmen Sie uns in die Pflicht“, appellierte Thomas Stetz von der SG Arheilgen. Aber auch ganz konkrete Wünsche wurden genannt: nach Parkplätzen am Sportgelände genauso wie nach ÖPNV-Tickets für Kinder. Und nach mehr Fahrradstellplätzen: Da gebe es einen „Riesenbedarf“.

 

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