Abfahrtszeiten an einer Haltestelle mit aktuellen Verkehrshinweisen.

Der Fahrgastbeirat gestaltet den Frankfurter Nahverkehr aktiv mit

Karin Ruf (links) und Dr. Kristine Schaal waren vier Jahre lang als Sprecherinnen des Frankfurter Fahrgastbeirat aktiv. Copyright: traffiQ Frankfurt am Main

Sprecherinnen blicken auf erfolgreiche Amtsperiode zurück – Interessenten können sich jetzt bewerben

Fahrgäste arbeiten selbst mit an einem noch besseren Nahverkehr: Das ist gelebte Praxis im Fahrgastbeirat der städtischen Nahverkehrsgesellschaft traffiQ in Frankfurt am Main. Die Ergebnisse nutzen allen Fahrgästen ganz direkt – zum Beispiel in den neuen Bussen auf der Metrobuslinie M32.

In die Gestaltung der neuen Wasserstoffbusse sind viele Anregungen des Fahrgastbeirats eingeflossen. Die Erarbeitung des neuen, modernen Designs der Frankfurter Busse, wie es seit vorigem Jahr täglich im Linienbetrieb zwischen West- und Ostbahnhof zu erleben ist, hat der Fahrgastbeirat in seiner jetzt zu Ende gegangenen Amtszeit eng begleitet. Das Projekt nennen die Sprecherinnen des ehrenamtlichen Gremiums beispielhaft: Karin Ruf aus Fechenheim, nicht-organisiertes Mitglied, und Dr. Kristine Schaal aus Eschersheim, IT-Expertin und vom Fahrgastverband Pro Bahn entsandt.

Den Fahrgastbeirat gibt es seit 1999 in Frankfurt. Er vertritt die Interessen der Fahrgäste, benennt Probleme, diskutiert mit und schlägt Verbesserungen vor. Die Hälfte der 22 Mitglieder wird von Verbänden und Organisationen entsandt, die andere Hälfte sind nicht-organisierte Nutzerinnen und Nutzern. Aktuell wird der Fahrgastbeirat für die nächste, fünfjährige Amtszeit besetzt. Noch bis 8. Mai sind Bewerbungen unter traffiQ.de/Fahrgastbeirat möglich.

Fahrgastbeirat spricht bei Design neuer Busse mit

Generell wird der Fahrgastbeirat bei allen Themen, die die Fahrgäste direkt betreffen, von traffiQ frühzeitig eingebunden. Dabei gilt es dann oft in kontroversen, aber dennoch konstruktiven Diskussionen einen Ausgleich zwischen den Interessen ganz verschiedener Fahrgastgruppen zu finden. Beim neuen Busdesign stellten sich schwierig zu beantwortende Fragen: Wie teilt man den begrenzten Raum im Fahrzeug am besten ein? Wie muss der Innenraum farblich gestaltet sein, damit sich alle zurechtfinden? Am Ende flossen eine Vielzahl von Anregungen des Fahrgastbeirats ins neue Busdesign ein, welches für zukünftige Fahrzeugbeschaffungen maßgeblich sein wird. Dazu gehören mehr Platz für Rollatoren oder die Einführung von Linien- und Zielanzeige auch am Heck der Fahrzeuge. „Damit man auch von hinten sehen kann, welcher Bus da gerade weggefahren ist“, erklärt Karin Ruf.

Personal- und Fahrzeugmangel und der „ehrliche Fahrplan“

Die zurückliegende Amtszeit war für den Nahverkehr und die Fahrgäste nicht immer einfach. Im Laufe des Jahres 2023 nahmen die Fahrtausfällen bei Bussen und Bahnen aufgrund von Personal- und Fahrzeugmangel zu. Auf der Suche nach dem richtigen Umgang mit der Situation ging traffiQ auf den Fahrgastbeirat zu: „Für die Mitarbeiter von traffiQ war es eine unangenehme Situation, den Fahrplan einfach nicht mehr anbieten zu können,“ erinnert sich Kristine Schaal, „und für die Fahrgäste waren die Ausfälle mehr als lästig.“ Gemeinsam erarbeiteten traffiQ und Fahrgastbeirat Leitlinien für den kurzfristigen Umgang mit der Situation. Diese flossen in den ab Januar 2024 gültigen Stabilisierungsfahrplan ein. „Das sollte ein ehrlicher Fahrplan sein“, sagt Schaal. Der Grundtenor lautete: Statt ungeordneter Fahrtausfälle lieber ein ausgedünntes, aber verlässliches Angebot über das auch verlässlich informiert wird. Denn „es ist für die Fahrgäste einfach besser, wenn eine U-Bahn zuverlässig alle 7,5 Minuten fährt als wenn sie im 5-Minuten-Takt immer wieder spontan ausfällt" sagt Karin Ruf.

Arbeitsgruppe erarbeitet Leitlinien zur Qualitätsverbesserung

Neben dem vier Mal im Jahr tagenden Gesamtplenum, ist der Fahrgastbeirat in Arbeitsgruppen organisiert. Neu war in der vergangenen Amtsperiode das Thema Qualität. Die Fahrgäste mussten sich zunächst mit der grundsätzlichen Frage auseinandersetzen: Was verstehen wir eigentlich unter Qualität im ÖPNV? Karin Ruf fasst es so zusammen: „Meine Bahn, mein Bus muss fahren und er muss pünktlich sein“, und wenn er mal nicht fährt oder nicht pünktlich ist, dann müssten die Fahrgäste darüber so gut und so früh wie möglich informiert werden. Hohe Qualität im öffentlichen Nahverkehr bedeutet aber auch eine große Dichte des Angebots, Sicherheit und Sauberkeit von Fahrzeugen und Stationen sowie ein einfacher und für alle gut zugänglicher Vertrieb. Daher erarbeitete der Fahrgastbeirat Leitlinien zu allen Qualitätsmerkmalen. „Das wird alles in unsere Überlegungen zur Verbesserung der Qualität einfließen“, erläutert traffiQ-Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Tom Reinhold. Er lobt zugleich die stets konstruktiven Gespräche mit dem Fahrgastbeirat und würdigt außerdem den großen persönlichen Einsatz aller Mitglieder: „Der Fahrgastbeirat ist ein Austauschort vieler verschiedener Fahrgastgruppen mit unterschiedlichen Interessen, unter denen ein Ausgleich gefunden werden muss.“ Und er freut sich über die Begeisterung der Fahrgäste, die sich engagieren: „Sie alle eint der Kampf für einen guten ÖPNV.“